Verschwörung der Klimawissenschaflter? Das richtige Instrument zur Beurteilung des Klimawandels

Das folgende Video gibt anscheinend tatsächlich gute Argumente, dass der Klimawandel erfunden ist. Der gesamte Film scheint so eindeutige Fakten zu präsentieren, dass es jedem, der diesen Film gesehen hat, klar sein muss: Der Klimawandel kann nicht stimmen. Zu den Gründen warum Wissenschaftler nun den Klimawandel propagieren äußert sich der Film wie folgt:

Die Klimakampagne ist also vorrangig dazu da, den Arbeitsplatz von Klimaforschern zu sichern. Kritiker werden tot geschwiegen oder sogar Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt. Der Film kokettiert hier sehr bewusst mit dem Außenseiterstatus derer, die die Wahrheit vertreten, aber sich aufgrund von finanziellen Zwängen und Herdentrieb nicht durchsetzen können. Eine große Verschwörung der Klimawissenschaftler, die eine Drosslung der Industrieproduktion zur Folge habe, wäre demnach entstanden. Woher wissen wir aber nun, ob die Darlegung der klimaskeptischen Argumente stimmt? Woher wissen wir, ob es Klimawandel gibt oder nicht? Ich behaupte wir, die keine Klimaforscher sind, haben keine Kapazitäten, um die Argumente auf Stichhaltigkeit zu prüfen. Zur Prüfung der Argumente bedürfen wir einer Institution, die uns von diesen doch sehr schwierigen Fragen entlastet, denn vielleicht könnten wir noch in mühevollster Kleinstarbeit in die Argumente vertiefen, doch hätten wir dann noch Zeit für andere Dinge? Wir wären dann schon selbst Klimawissenschaftler. Nein, diese Arbeit müssen Forscher übernehmen. Und diese Form der Spezialisierung und Arbeitsteilung halte ich für sinnvoll, es bedarf nur Vertrauen in funktionierende Wissenschaften. Darüberhinaus bedarf es aber nun auch geeigneter Instrumente, die uns die gegenwärtigen Überzeugungen in den Wissenschaften auch zuverlässig darlegen. Wir brauchen eine Wissenschaft von den Meinungen der Wissenschaft.

In meinem letzten Beitrag hatte ich ja schon dazu geschrieben, dass wir der Wissenschaft vertrauen müssen (vgl. https://dergrueneplanet.wordpress.com/2011/03/01/woher-wissen-wir-ob-es-klimawandel-gibt/) und insofern wir dieses tun, die Meinungen der Wissenschaften selbst befragen können. In einem folgenden Beitrag werden wir uns anschauen, welche Ansprüche die Wissenschaft und die Wissenschaft zur Erforschung dieser Wissenschaft erfüllen muss. In diesem Sinne müsste eine Soziologie deskriptiv prüfen, ob die Wissenschaften diesen Standard erfüllen, aber auch normative Vorschläge zur Durchsetzung dieser Standards machen. Zunächst möchte ich aber noch einen Artikel von Stephan Rammsdorf (Professor und Klimaforscher aus Potsdam) darlegen, der sich kritisch zu den Klimaskeptikern äußert, aufgrund der Komplexität aber letztlich wieder zu dem Schluss führen wird, dass wir eine Wissenschaft zur Erforschung der wissenschaftlichen Meinung bedürfen.

In dem Artikel „Alles nur Klimahysterie“ (http://www.pik-potsdam.de/~stefan/klimahysterie.html) setzt sich Rahmstorf sehr differenziert mit den Gegenargumenten gegen Klimawandel auseinander. Er zeigt auf, welche Argumente gegen den Klimawandel seiner Meinung begründet oder unbegründet sind. Hier können wir natürlich nicht folgen, da wir als Nicht-Klima-Experten keine genaue Prüfung dieser Argumente durchführen können, obwohl sie natürlich sehr überzeugend klingen. Gleiches gilt allerdings für die Argumente der Skeptiker. (An dieser Stelle darf meine Intuition nicht falsch verstanden werden. Es geht nicht um blindes Vertrauen in die Wissenschaft. Der Sinn einer Demokratie 2.0 gebietet, dass in einem Web 3.0 alle Argumente offengelegt werden, so dass wir uns zur Not doch hineinarbeiten könnten. Die Wissenschaft darf schließlich keine Blackbox sein oder ein Orakel, dass unkritisierbar zur Zukunft der menschlichen Natur befragt wird und dementsprechen unüberprüfbare Aussagen ausspuckt.) Abgesehen aber von der Widerlegung der Klimaskeptiker, liegt das Interessentare in einem Argument verborgen, das Rahmstorf vorträgt, wonach die Qualitätskontrolle der Medien versagt hätte. Rahmstorf schreibt also:

„Wenn ein Redakteur derartige, vor Tatsachenverdrehungen und Falschaussagen wimmelnde Artikel abdruckt, dann liegt ein Versagen der redaktionellen Qualitätssicherung vor. Wenn ein Journalist einen Artikel einreicht, der das Gegenteil dessen behauptet, was Stand der Wissenschaft ist – hat die Redaktion dann nicht die Verantwortung, kritisch zu prüfen, ob die Fakten überhaupt stimmen?“ (http://www.pik-potsdam.de/~stefan/klimahysterie.html)

Die Forderung nach kritischer Prüfung von Berichten durch Journalisten, die Rahmstrof hiermit aufstellt, kann als gerechtfertigt angesehen werden. Wir müssen aber fragen, ob eine kritische Gewichtung von Argumenten einem Journalisten, der ein Nicht-Klima-Experte ist, gelingen kann. Abgesehen von diesem Umstand hat Rahmstorf natürlich vollkommen Recht, wenn er zum Beispiel bemängelt, dass eher kontroverse Scharlatane als Klimatologen in Talkshow wie bei Maybrit Illner (05.07.2007) eingeladen werden (Leider ist der Link nicht mehr verfügbar, da ARD und ZDF gesetzlich verpflichtet sind, ihre Onlineangebote nach entsprechender Zeit zu entfernen). Er zeigt zu Recht an wie die Klimaskeptiker nach und nach die Wissenschaftler diffamierien und als als „Klimapropagandisten“ (Maxeiner) oder als „Klimahysteriker“ (Günter Ederer in Report)oder gar als  „Öko-Blockwarte[.]“(ZEIT-Forum, 14.5.2007) darstellen. Weiter zeigt er zurecht an, dass Klimaforscher durch das Gerücht einer politischen Beeinflussung des IPCC diskreditiert werden sollen, dass sich Klimaskeptiker Unterschriftenlisten bedienen, in denen viele angebliche Klimawissenschaftler ihren Dissenz über die Klimaforschung kund tun. Rahmstrof schreibt:

„Schon 1995 präsentierte Fred Singer die „Leipziger Erklärung“, die angeblich von 100 Klimatologen unterzeichnet war, und die noch in einer 2005 revidierten Fassung behauptete: „In fact, many climate specialists now agree that actual observations from weather satellites show no global warming whatsoever.“ Nachprüfung ergab: fast keiner der Unterzeichner war tatsächlich Klimatologe. Und in letzter Zeit liest man häufig von einer Umfrage von Dennis Bray und Hans von Storch, wonach nur die Hälfte der Klimatologen den menschlichen Einfluss auf das Klima für belegt halten soll. Auch bei dieser Umfrage gab es aber keinerlei Kontrolle, ob die Teilnehmer überhaupt Klimatologen waren, oder ob einzelne sich mehrfach zählen ließen. Jeder, der ein Passwort kannte, konnte im Internet den Fragebogen ausfüllen. In den Netzwerken der „Klimaskeptiker“ wurde das Passwort verbreitet und zur massenhaften Teilnahme aufgerufen [5]. Die Ergebnisse sind daher praktisch wertlos und ihre Publikation wurde von mindestens zwei Fachzeitschriften abgelehnt. Sie wurden stattdessen über die Medien, das Internet und Lobbygruppen wie das Heartland Institute verbreitet.“ (http://www.pik-potsdam.de/~stefan/klimahysterie.html)

Hier zeigt sich nun also, dass genau das Instrument, dass ich zur Lösung der Klimadebatte vorschlage auch instrumentalisiert werden kann, daher brauchen wir zuverlässige Umfragen und Darlegungen, was der Stand der Wissenschaft ist, um rational zu entscheiden. Dass wir dieses selbst beurteilen könnten, ist eine Überschätzung des demokratischen Verstandes. Auch die Forderung „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ hat ihre Grenzen, die vor bei der stark differenzierten Arbeitswelt heute vor allem in der Zeit liegt. Wir haben nicht die Zeit alle Probleme der Welt zu durchdenken. Wir brauchen also Instrumente, die uns aufklären. Die Erforschung der wissenschaftlichen Meinungen ist natürlich nicht unkorrumpierbar und kann auch fehlerhaft sein. Es bedarf also auch für diese Forschung einer gewissen Kontrolle, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nun stellt sich allerdings die Frage, wer dieses nun übernehmen soll. Mein Argument ist nun aber Folgendes: Umfragen von Wissenschaftlern, die seriös erhoben werden, lassen sich deutlich leichter kontrollieren und beispielsweise im Internet nachvollziehen als die komplizierten Berechnungen zum Klimawandel. Daher haben wir es zumindest mit einer Vereinfachung der persönlichen und politischen Meinungsbildung zu tun. Dass natürlich unabhängige Bewertung in der Wissenschaft niemals ohne entsprechende soziale Kontrolle und Sanktionen gegeben ist, dürfte klar sein, deswegen müssen wir für solcherlei Institutionen der Erforschung von wissenschaftlichen Meinungen auch entsprechende Gesetze schaffen, die freie Erforschung der Forscheransichten ermöglichen. In diesem Sinne setze ich also an einer anderen Stelle als Rahmstorf an. Ich fordere keine bessere Kontrolle der Medien, die über Klimaforscher berichten, sondern ich fordere die Schaffung einer unabhängigen Wissenschaft der Beurteilung der Forschungsergebniss auf Basis einer statistischen Auswertung der Forschermeinungen. Dieser Vorschlag stützt sich auf die idealisierende Annahme, dass der Forschungsbetrieb als freier Forschungsbetrieb nur die Wahrheit gelten lässt oder dass sich auf lange Sicht eine Annäherung an die Wahrheit vollziehen wird. Die einzige Schwierigkeit ist es, die wissenschaftlichen Auffassungen auch zu der Bevölkerung und den Politikern zu bringen. Umfragen wie ich im letzten Blogbeitrag dargetan habe (https://dergrueneplanet.wordpress.com/2011/03/01/woher-wissen-wir-ob-es-klimawandel-gibt/) gehen hier den richtigen Weg.

Anmerkung: Die Bedingungen für diese Wissenschaft können erst in den nächsten Beiträgen geklärt werden. Ein Einwand könnte nun sein, dass mit der erfolgten Umfrage, die zeigt, das Klimawissenschaftler an den Klimawandel glauben, bereits alles geklärt ist. Der Konsens über den Konsens sei klar. Hierin liegt aber nur ein Anfang, denn die nächsten Fragen wären: Welche sinnvollen Schritte zur Reduzierung der weltweiten Emissionen gibt es? Aus den politischen Talkshows, die bei Maybrit Illner und gar Sandra Maischberger veranstaltet werden, habe ich zumindest den Glauben verloren, aus den Darstellungen der Medien schlau zu werden. Ich muss auch darüber hinaus gestehen, dass meine Aufmerksamkeit für derlei Probleme nach der Lektüre eines Zeit-Artikels erschöpft ist. Ich will mich nicht mit Berechnungen zum CO2 Gehalt in der Athmosphäre auseinandersetzen, weil es genügend andere wissenschaftlicher Lektüre meines Faches gibt, die bearbeitet werden muss. Aus diesem Grund würde ich mir ab und an Ergebnislisten der Meinungen von Wissenschaftlern wünschen, um mir hier eine Meinung bilden zu können. Der Einwand kann nun natürlich darin bestehen, dass hierin keine Meinung vorliegt, da ich sie nicht selbst gebildet hätte, aber ich möchte doch darum bitten einzusehen, dass meine Zeit nicht grenzenlos ist und ich daher auf solcherlei Instrumente zurückgreifen möchte. Die Frage ist, wie zuverlässig können diese Instrumente sein, welche Voraussetzungen gelten dafür.

Anmerkung 2: Auch bei der Frage zur Betriebszeitverlängerung der Kernkraftwerke wäre es interessant, nicht nur zu wissen, was die Bevölkerung darüber denkt. Umfragen unter Wissenschaftlern wären mir bei weitem lieber, um damit meine Meinung zu überprüfen.

Bildmanipulation Klimawandel

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